Donnerstag, 15. Juli 2021

Social Media und Hunde

Ja, es ist mal wieder Zeit für einen Blog Beitrag.

 

Es ist 12:57 Uhr und ich hatte eigentlich vor, jetzt noch etwas gemütlich mit der Meute auf dem Sofa zu liegen und dann wieder weiter zu arbeiten. Noch schnell das Handy in die Hand genommen und zack, die sozialen Netzwerke haben mich in ihren Bann gezogen. 

Nach wenigen Minuten steigt mein Puls. Mit Kopfschütteln lege ich das Handy aus der Hand und beginne nun diesen Beitrag für euch zu schreiben. 
Spoiler Alarm: Am Ende des Beitrags kommt ein ultimativer Tipp für euch. Aber nun zum Thema: 

Manchmal habe ich das Gefühl, nichts spaltet die sozialen Medien so sehr wie Hunde (oder andere Haustiere oder Kinder). 
Da wird in einer Gruppe ein Foto von einem Hund gepostet mit dem Kommentar: schaut mal wie süß er guckt und direkt kommen 5 Kommentare darüber, dass der Hund zu dünn ist, 5 weitere Posts mit einer Futterempfehlung (mindestens einer davon vertreibt das empfohlene Futter natürlich rein zufällig und hat auch direkt einen Bestelllink zur Hand) und noch 4 Meinungen von Menschen, die die Rasse die auf dem Foto zu sehen ist „kennen“- einige Kommentator*innen (jahaaa heute wird sogar gegendert hier) sind sicher, dass der Hund dringend einen Trainer(ok 1x gendern reicht, den Rest dürft ihr euch denken), Psychologen, Hundeflüsterer, Physiotherapeuten oder gar einen Yogalehrer benötigt weil er ansonsten spätestens morgen tot umfällt. 

Einatmen – Ausatmen – vielleicht brauche ich einen Yogalehrer?

Ok ich gebe die Hoffnung nicht auf – nächster Beitrag, nächstes Bild:

Ein Tierschutzverein postet einen Hund mit Maulkorb. 

Wieder X Kommentare: Der Maulkorb sitzt nicht richtig, überhaupt sind Maulkörbe böse, man solle nicht meinen mit Maulkörben könne man Training ersetzen (das man den Maulkorb nicht auftrainiert hat, sieht dieser Kommentator natürlich direkt an diesem Bild – nicht.), eine Trainerempfehlung – darauf gleich 3 Hasskommentare, denn der genannte Trainer wäre auf jeden Fall ein fürchterlicher Tierquäler und Trainer Mustermann wäre da viel besser geeignet. Adoptieren wollte den Hund keiner. Ach Moment: da fragt noch einer „was letzte Preis“ und „wo könne abhole“

Nun gut dann also doch: Wie ich sagte, WIRKLICH adoptieren will den Hund niemand

 

Einatmen – Ausatmen – ich glaube der Yogalehrer allein reicht nicht. Vielleicht ein Gin?

 

Aber aller guten Dinge sind 3.

Ein Beitrag einer geschätzten Trainer Kollegin die viel Erfahrung mit, nennen wir es kernigen, Hunden hat. 2 Sätze, ein Bild mit 2 Hunden, etwas Werbung für eine Spiel- /Raufergruppe die nicht nur für nette Hunde zugänglich ist
Ihr dachtet das bisher wäre nicht zu toppen? Selbstverständlich ist auch dieser Trainer, laut Kommentaren so ein krass harter Tierquäler. Unzählige ausführliche Kommentare über Lerntheorien, was da alles falsch gelaufen sei, dass man ja jemanden kennen würde, der jemanden kennt der jemanden kennt und dessen Oma 2. Grades hatte mal einen Hund von da und der war ganz schlimm traumatisiert. Natürlich nicht vor sondern wegen dieser Trainerin.

 

Einatmen – Stop!

 

Ich bin nun seit 6 Jahren Hauptberuflich Trainerin, führe selbst mehrere Hunde im Alltag, arbeite mit Tierschutzhunden und versuche ganz viel über den Tellerrand zu schauen um immer wieder neu dazu zu lernen und wisst ihr was? Mir geht dieser ganze Schrott einfach nur auf den Keks. 

 

Jeder der so viele Hirnzellen zusammen hat, dass er sich einen Facebook- oder Instagram Account erstellen kann ist plötzlich Profi. Egal ob man will oder nicht, man hat sofort mindestens eine Hand voll Leute an der Hacke kleben die denken, sie wissen alles Besser. Selbst Kollegen, die es vielleicht wirklich besser wüssten, lassen sich in irgendwelche Diskussionsschlammschlachten verwickeln und warum? 
Keine Ahnung...Vielleicht weil sie es können, weil ihnen sonst keiner zuhört oder weil einem einfach langweilig ist aber eher nicht, um wirklich zu helfen. Denn es geht einfach nur darum, die eigene Meinung ungefiltert ins www zu schleudern. Es geht, wie fast immer bei derartigen Diskussionen, nicht um einen Konsens sondern einfach nur darum, irgendwas loszuwerden. 

Am anderen Ende sitzen dann Hundehalter die sich den Kopf darüber zerbrechen, ob ihr Hund wirklich zu dünn ist, ob ihr Hund sich von einer Brücke stürzen will, weil sie vielleicht mal zu laut Nein gesagt haben als der Hund (zum achten Mal ) die Geranien ausbuddeln wollte und ob sie überhaupt einen Hund haben sollten.
Denn sind wir mal ehrlich: Die Menschen, die unser aller Rat wirklich brauchen könnten, die werden ihn ziemlich sicher so oder so nicht durch einen Post in den sozialen Medien annehmen. 
Es trifft also fast immer die, die alles richtig machen wollen. Es stürzt Hundehalter in reelle Zweifel über das Zusammenleben mit ihrem Hund. Es macht sie handlungsunfähig gegenüber ihrem Hund. Weil sie alles zerdenken und keinerlei Raum für Bauchgefühl, für Persönlichkeit und für eine besondere Beziehung bleibt – und das obwohl jedes Mensch – Hund Team einzigartig ist. Wie sollen bei so vielen individuellen Gegebenheiten solch pauschale Tipps aus der Glaskugel der sozialen Medien überhaupt klappen? Manche passen natürlich auch aber das ist A) nicht die Regel und B) gibt es sicher mindestens eine Alternative die vielleicht sogar besser zu diesem Team passen würde. 

Das Ganze geht oft soweit, dass Hundehalter sich überwinden Dinge zu tun, die sie sonst vielleicht nie tun würden, sie entscheiden sich gegen ihren gesunden Menschenverstand, gegen jede Logik und versuchen irgendwie an ihrem Hund rumzuerziehen immer im Hinterkopf, was denn die Anderen darüber denken könnten und ob das so auch alles pädagogisch und politisch korrekt ist. 

 

Nun zum versprochenen ultimativen Tipp: 
Macht das Internet aus, legt das Handy weg, beobachtet euren Hund, bleibt bei der Sache, hört auf euer Bauchgefühl, bleibt ihr selbst und ich verspreche euch, die Sache mit dem atmen wird ohne die vielen Stimmen aus dem digitalen Off gleich viel leichter....

Es hilft kein Yogalehrer, keine Gruppe im Internet und auch nicht der Nachbar X der schon mal einen Schäferhund hatte vor 30 Jahren. 

Geht in euch, Überlegt was passiert, was ihr gelesen habt. 
Gibt das Sinn? 
Fühle ich mich wohl? 
Bleibt flexibel, bleibt handlungsfähig, interessiert euch nicht für die Meinung Anderer, denn ihr müsst euch selbst helfen, nur so könnt ihr wirklich hinter euch, eurem Hund und eurem Training stehen. Sollte das nicht ausreichen, sucht euch professionellen Rat bei einem Trainer bei dem ihr euch gut aufgehoben fühlt. 

 

13:31 Uhr – Laptop zu ich habe die Hunde schon viel zu lange warten lassen, jetzt wird gekuschelt

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Franziskus Hundeland
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