Freitag, 14. September 2018

Über Hunderassen, deren Auswahl und die Tücken ihrer Beschreibungen

Er hat sich stets bemüht.

Kennt ihr diesen Satz? Klingt ja erst mal gut, schließlich hat man sich ja Mühe gegeben. Aber der Satz hat leider eine sehr negative Färbung, da er gleichzeitig auch bedeutet, dass man es halt trotz Mühe einfach nicht geschafft hat...
So oder so Ähnlich werden Arbeitszeugnisse gerne formuliert, man muss sie zwischen den Zeilen lesen um zu verstehen, ob der Arbeitgeber einem da gerade ein Lob mit auf den Weg gegegen hat oder einem einen Stein in den selbigen gelegt hat.


Und genau das Gleiche, passiert vielen Hundefreunden bei der Auswahl ihres vierbeinigen Gefährten.

Direkt nach dem Entschluss, einen Hund aufzunehmen kommt in aller Regel die Frage nach Rasse, Herkunft und Alter des Hundes.
Heute möchte ich gerne auf die eingehen, die sich bewusst für einen Rassehund entscheiden oder entscheiden möchten.

Man setzt sich also ans Internet, öffnet die Seite der Suchmaschine seines Vertrauens und sucht so etwas wie:
" Welche Rasse passt zu mir" oder Rasse XYZ und liest sich dann von den 3.323.232 vorgeschlagenen Seiten ein paar (mehr oder weniger) gründlich durch. 

Spaßeshalber mache ich das jetzt mal exemplarisch. Ich öffne also gleich mal den 2. Link mit einem Test zur richtigen Rassewahl. 

Auf gehts! 10 Fragen - super, das kann ich in der Kaffeepause kurz machen. Ich werde danach gefragt, was ich denn so für ein Mensch bin, nach meinen Hobbys, oh! da steht was von Familienhund, das klicke ich gleich mal an, außerdem klicken wir mal an, dass ich weder viel Zeit noch viel Geld für den Hund ausgeben möchte...mindestens mittelgroß soll er aber sein und auf meine (imaginären) Kinder muss er auch aufpassen können und natürlichd muss er kinderlieb sein und nicht aggresiv...Geschafft! 

Angeboten werden mir nun folgende Rassen: Bernhardiner, Neufundländer, Berner Sennenhund, Deutsche Dogge oder Golden Retriever, Labrador Retriever, Hovawart, Dalmatiner, Weimaraner

Ich als Laie schließe den ersten Block gleich mal aus, denn Bernhardiner und Co sind mir dann doch zu groß (die passen ja auch nichts mal eben in die Handtasche, den kann ich ja auch kaum heben wenn er mal zieht und überhaupt) 

Bleiben also noch Golden Retriever, Labrador Retriever, Hovawart, Dalmatiner, Weimaraner.

Herrlich. Schon bevor ich das Wort Hunderasse eingegeben habe, war mir 2/3 dieser Hunderassen die dabei raus gekommen sind schon klar.

Weil ich es kann habe ich gleich noch einen Test gemacht - heraus kamen dieses Mal: Golden Retriever, Labrador Retriever, Elo und ein Collie.

Wow. 

Der Laie googelt nun also die genannten Hunde. Während man die Retriever ja meistens von der Nachbarschaft kennt und der Dalamtiner sowie der Collie aus Film und Fernsehen berühmt sind, sind Hovawart, Weimaraner und Elo eher unbekannt.

Dalmatiner - zu gepunkete, Collie - zu viel Lassie, Hovawart - hübsch aber doch zu groß, Weimaraner - oh je da steht etwas von Jagd, das möchte man als Hundeanfänger ja meistens eher nicht.

In den "Recall" kommen also  Goldy, Labi und Elo und diese schauen wir uns nun etwas genauer an:

Vorweg möchte ich sagen, dass ich grundsätzlich weder etwas gegen Rassehunde noch gegen spezielle Rassen habe - im Gegenteil. Ich denke fast jede Rasse hat irgendwo ihre Berechtigung. Aber eben, irgendwo und nicht undbedingt überall...

Starten wir mit dem Elo. Ein Hund, der extra als Gesellschafts- und Familienhund gezüchtet wurde. Die Rasse ist vom VDH nicht anerkannt, jedoch erfreut sie sich wachsender Beliebtheit. Gezüchtet wurde er aus Eurasiern, Bobtails und Chow-Chows. Die Zuchttiere sollen kindergeeignet sein und werden einem speziellen Wesenstest unterzogen. Er soll anpassungsfähig, robust und unempfindlich gegenüber Geräusche sein. Er darf weder Angst zeigen noch aggresiv sein oder jagdliche Tendenzen haben.
Kennt ihr die eierlegende Wollmilchsau? An die musste ich gerade denken...

Der Gedanke, einen Hund zu züchten, der gut in Familien passt ist für mich persönlich zwar nicht grundsätzlich abwegig, jedoch muss man sich schon überlegen, ob das denn auch wirklich so ist, denn jeder Hund ist ein "Produkt" aus 3 Faktoren: Genetik, Umwelt und Persönlichkeit. Selbst wenn die Genetik mit allen Fühlern auf Familie zeigt, ist es möglich, dass das Individuum sich (aus welchen Gründen auch immer) anders entwickelt. 
Und so kann eben auch ein Elo - Zucht hin oder her - jagen, beissen, kratzen und/oder keine Kinder mögen. Man kann also nicht blind sagen, dass jeder Elo ein super Familienhund ist der alles ab kann.
Außerdem sagt ein Blick auf die Rassen, die da eingekreutz wurden noch weitere Dinge aus.

Ja, Elos können in aller Regel viel ab, sie sind aber auch unglaublich eigen. Sie haben vielleicht die Wachsamkeit eines Chow Chows (und Wachsamkeit heisst im Zweifel verbellen von allem was da kommt). Chows sollen treu aber zurückhaltend gegenüber Fremden sein, was auch bedeuetet, dass sie evtl. genau zwischen Familie und nicht Familie unterscheiden und letztere mit ihrer Wachsamkeit anzeigen...
Oder kommt der Bobtail zum tragen? Er soll lt. Rassebeschreibung kühn und zuverlässig sein (also er nimmt seine Aufgabe erst und geht sie evtl. mit mehr Mut an als uns lieb ist). Er ist ein ausgeglichener und anpassungsfähiger Hütehund (hohe Aktivität/Arbeitshund) der mit seinem bellen auch mal Eindringlinge abschrecken soll (gesprächig?). 
Und zu guter Letzt der Eurasier. Sensibel, intelligent, eigenständig (also trifft Entscheidungen nach seinem Willen und nicht nach dem des Menschen), fixiert auf die Familie und zurückhaltend gegenüber Fremden...
Mit Glück ist de Elo nun also ein guter Familienhund, der mit etwas Pech aber alles verbellt. Er kann kühn, zuverlässig und treu seine Familie beschützt und selbst entscheidet, wer dazu gehört oder nicht.
Gerade bei neueren Züchtungen sind die Einschläge der eingekreuzen Rassen oft eher schwankend, dies sollte bei der Wahl eines Hundes berücksichtigt werden. Es gibt eben einfach noch nicht so viele Erfahrungwerte - denn im Endeffekt ist der Elo (wie alle Rassehunde irgendwann ein Mal) ein Mischling der nach bestimmten Kriterien weiter gezüchtet und selektiert wird. 

Kommen wir zum Labrador und Golden Retriever, die ich gerne auf 1x angehen möchte. Denn meine Erfahrungen sagen mir, dass die meisten Familien die sich einen Hund holen - vor allem Familien mit kleineren Kindern und/oder wenig Hundeerfahrung - zu diesen beiden Rassen tendieren und die Entscheidung ob A oder B dann meist von der Optik abhängt. 

Wer sich eine dieser Rassen zulegt, der sucht in aller Regel einen gut erziehbaren Familienhund. Und ja, in der Tat lieben die meisten Labis und Goldy Menschen und vor allem Kinder- und zwar von früh bis spät!
Da ist es auch egal, ob es die eigene Familie ist oder Fremde. Das heisst aber auch, dass sie mit ihren bis zu 40 möglichen Kilos manchmal völlig ungebremst und wild wedelnd in Richtung jedes Zweibeiners rennen den sie am Horizont erblicken. Gleiches gilt im Übrigen auch für Hunde. Viele Hundehalter sind mit diesem Temperamt und dem Willen des Hundes mit der er diese Freude auslebt zunächst völlig überfahren. Je nach Charakter und Situation kann es dabei nämlich schon mal passieren, dass es auf dem Weg zu besagtem Wesen das unbedingt begrüßt werden muss, ein paar Hindernisse gibt, über die man dann einfach drüber rennt um ans Ziel zu kommen. 

Beide Rassen sind Arbeitshunde und haben meist unglaublich viel Spaß an Aufgaben wie Apportieren und Co..Hiermit kann man diese Hunde meistens super bespaßen, erziehen und beschäftigen. Man sieht oft, dass sie regelrecht zufrieden sind, wenn sie irgendetwas im Maul herum tragen können. Das dabei auch mal der teure lieblings Schuh voller Sabber auf einem wartet wenn man nach Hause kommt oder im Welpen und Junghundealter auch Hosenbeine und Spielzeug aller Art Thema sein könnten, wird erst mal nicht erwähnt. 

Labradore sind Apportier- und damit Jagdhunde. Ein gewisser Jagdtrieb kann also durchaus vorhanden sein. Dieser kann sich je nach Hund auch auf diverse Haustiere ausweiten. Beide Rassen sind durchaus aktiv. 
Nun legt man sich diesen Hund vielleicht zu, weil er die einem zusammen mit den Kindern beim Spaziergang begleiten soll. Aber auch ein Retriever kommt nicht erzogen auf die Welt und so kann es die ersten Jahre schon mal vorkommen, dass man eher einen "Zughund" für einen Schlitten an der Leine zu haben glaubt, als einen Familien-Begleithund der friedlich neben dem Kinderwagen läuft. Denn man muss bedenken, es gibt soooo viele tolle Menschen/Hunde...denen man ja unbedingt hallo sagen muss.

 

Etwas bekannter ist, dass beide Rassen in aller Regel ein Fabel für Wasser, Dreck und Matsch in jeglicher Form haben. Oder wie es viele meiner Kunden sagen: Nur ein dreckiger Labi/Goldy ist ein glücklicher Labi/Goldy. Egal ob Auto, Hausflur, Klamotten oder die weiße Hose der Nachbarin: nach einem Regenspaziergang hat alles die gleiche Farbe...

In einer Rassebeschreibung habe ich dazu diesen Satz gefunden: "(...)Der Labrador eignet sich für aktive Menschen, die weite Spaziergänge bei jeglichem Wetter nicht scheuen(...)" - ja, so kann man es auch sagen.


Beide Rassen haben ein recht dickes Fell. Ja, man kann in aller Regel 10x über sie stolpern oder ein Kind zieht den Hund 5x am Ohr und es passiert nichts. Aber ! das bedeutet auch, dass man 10x jede Übung aufbauen muss und dem Hund 10x erklären muss, was man eigentlich will, bevor es sich setzt. Das kann manchmal schon zur Geduldsprobe werden. Positiv ist hierbei zu erwähnen, dass beide Rassen meistens sehr verfressen sind und man darüber sehr gut üben kann (so lange das Wurstbrötchen der Kinder außer Reichweite ist).

Und ja, auch ein Labrador oder ein Golden kann aggressiv sein. Auch sie können beissen, Futterneidisch sein, keine Artgenossen mögen etc pp.. Ausserdem gibt es hier viele Einkreuzungen anderer Rassen für diverse Farbschläge (zum Beispiel Weimaraner für die silbernen Labis...) oder s.g. Arbeitslinien die die Aktivität oder den Jagdtrieb eines Hundes deutlich steigern können und auch die anderen charakterlichen Merkmale deutlich beeinflussen können.

 

Fazit: 

Jeder Hund ist ein Individuum. 
Eine Rassebeschreibung ist ein Leitfaden aber es ist dadurch nicht in Stein gemeiselt, was für einen Hund man bekommt. Was am Ende dabei raus kommt, haben Züchter und Besitzer maßgeblich in der Hand.
Jeder Hund benötigt Erziehung, Konsequenz, Zeit, Liebe und auch ein gewisses Maß an Akzeptanz für seinen eigenen Charakter. Jedoch kann man sich das Leben mit der Wahl der Rasse doch entschieden leichter (oder schwerer) machen.
Lest genau und auch zwischen den Zeilen, informiert euch, lasst euch beraten, besucht Züchter, setzt die rosarote Welpenbrille ab und sucht Kontakt zu Haltern eurer Wunschrasse - so bekommt ihr ein möglichst authentisches Bild vom Leben mit einem Hund der Rasse XYZ.

Bei über 800 Hunderassen kann man schon mal den Durchblick verlieren und manchmal hilft es, eine neutrale Meinung dazu zu hören. 

Aus diesem Grund bieten wir auch an, euch individuell vor der Wahl eines Hundes zu Beraten. Von Rassewahl, über die Auswahl des Züchters oder der Begleitung zu einem Hund aus zweiter Hand, wir unterstützen euch gerne dabei. 

 

 

 Bild: Eure Hoheit Bumblee Queen Tres Zapotes oder einfach Onyxia

 

© 9/2018 Helga Fischer - Dieser Beitrag darf verlinkt und kopiert werden sofern er unverändert bleibt und eine Verlinkung auf diese Homepage hinzugefügt wird.

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