Mittwoch, 11. Mai 2016

Zecken - Alle Infos über die lästigen Plagegeister

Jeder kennt sie, keiner mag sie - aber das stört sie nicht, denn sie sind trotzdem da...
Zecken sind ein leidiges und jährlich wiederkehrendes Thema, das jeden Hundebesitzer betrifft. 

Ich werde euch im folgenden Text einige Links und Informationen rund um das Thema "Zecke" zusammen tragen.

Welche Zeckenarten gibt es bei uns?
Eine der meist verbreiteten Art in Deutschland ist der gemeine Holzbock. Diese Zecke ist von März-Dezember aktiv und ist unter Anderem Überträger für FSME und Borreliose. 

Gerade in unserer Umgebung ist leider seit einiger Zeit auch die s.g. Auwaldzecke anzutreffen. Sie ist von März-November, mit einem kurzen Unterbruch im Sommer, aktiv. Sie kann Babesiose auf den Hund übertragen. 

Ebenfalls sehr häufig beim Hund zu finden ist die Igelzecke. Diese Zecke kann ebenfalls Borreliose und weitere Krankheiten übertragen. Sie ist von März bis Juni und von August bis November aktiv.



Leider gibt es noch einige weitere Zeckenarten in Deutschland. Auch an die oben genannten Aktivitätszeiten halten sich die lästigen Viecher, dank Klimawandel und Co, immer weniger. Erst bei Temperaturen die über mehrere Tage unter 5-7°C gehen, werden sie inaktiv. Weitere Informationen über die verschiedenen Zecken findet ihr hier oder hier.

Welche Krankheiten übertragen Zecken auf den Hund?
(Wenn ihr auf die Überschriften klickt, kommt ihr jeweils zu einem ausführlichen Artikel über diese Krankheit)

Borreliose
Diese Infektionskrankeit beginnt oft erst Tage oder Wochen, nachdem die Zecke zugebissen hat. Symptome wie Fieber, Appetitilosigkeit sowie starke Schwellungen und Schmerzen an verschiedenen Gelenken sind typisch für diese Krankheit. Später können auch Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. Borreliose kann behandelt werden, der Erreger ist aber sehr hartnäckig. Zudem besteht die Gefahr, dass die Krankheit chronisch wird.  


Babesiose
Sie führt unter anderem zum Zerfall roter Blutkörperchen und kann tödlich verlaufen. Die Inkubationszeit liegt in der Regel bei 5-7 Tagen. Symptome wären zuerst Fieber, Appetitlosigkeit, starker Durst und eine schnell schwindende Kondition. Der Urin färbt sich oft dunkel.
Da die Krankheit schnell zum Tod des Hundes führen kann, sollte man bei einem Verdacht umgehend einen Tierarzt aufsuchen und ggf. mit einer entsperchenden Behandlung beginnen. 


Ehrlichiose
Zu den vielfältigen und wenig spezifischen Symptomen zählen unter anderem Fieber, Blutungen, Erbrechen, Abmagerung oder Abgeschlagenheit. Auch Blutungen an den Schleimhäuten und Nasenbluten kommen in der Akutphase häufig vor. 
Wird die Krankheit nicht behandelt, kann sie die Organe schädigen und über längere Zeit um Tod des Tieres führen.

Rikettsiose
Diese Krankheit ist in unseren Breitengraden in den letzten Jahren auf dem Vormarsch. Die Symptome sind zunächst ähnlich, wie die einer Ehrlichiose. Es kann im späteren Verlauf zu Spontanheilungen kommen, wenn der Körper die Inefktion selbst aufhalten kann. Jedoch kann es auch über lange Zeit hinweg keine Symptome geben, obwohl der Hund angesteckt ist. Es kann zu 
chronischer Blutarmut, zu Knochenmark- oder gar Hirnhautschäden kommen. Bei einer Hirnhautschädigung treten Symptome wie eingeschränkte Beweglichkeit, Krampfanfälle oder Muskelzuckungen auf. Erhöhte Blutungsneigungen sowie Blutbeimengungen in Kot und Urin sind ebenso zu beobachten wie Fieber und Gewichtsverlust. Stress kann einen negativen Verlauf der Krankheit fördern

 

FSME
FSME hat meist einen schweren Verlauf und führt zum Tod des Hundes. Fieber, Krämpfe und neurologische Störungen sowie Störungen im Bewegngsablauf sind häufig zu beobachten. Bisher ist es nur möglich, die auftretenden Symptome zu behandeln. Es gibt kein "FSME Medikament".

Anaplasmose
Oft zeigen die betroffenen Hunde zunächst keine Symptome. Fieber, Muskelschmerzen und Entzündungen der inneren Organe sowie die Neigung zu Blutungen treten häufig auf. Selbst wenn der Hund es schafft, diesen Erreger selbst auszuschalten, allerdings kann eine Schwächung des Immunsystems zu einem erneuten Aufflammen führen. 

Hepatozoonose
Die klinischen Symptome variieren sehr stark. Es können verschiedene Organe betroffen sein. Fieber, Blutarmut, Abmagerung, Lymphknotenschwellungen, Nasen- und Augenausfluß, blutiger Druchfall, Muskelschwäche und steifer Gang können auftreten. Bei einem schweren Verlauf, kann es zum Tod des Hundes kommen. Eine Ansteckung in Deutschland ist zur Zeit noch relativ unwahrscheinlich, allerdings ist die braune Hundezecke, die diese Krankheit sicher übträgt, auch bei uns auf dem Vormarsch. 

Gefahr in der Region

Wir leben hier quasi in einer Zeckenhochburg von Deutschland. Also wenn man sich in unserem Land irgendwo gegen Zecken schützen muss, dann hier. Ich weiß, dass sind leider nicht die besten Neuigkeiten :( 
Zecken kann man hier fast immer antreffen - eigentlich überall wo es "grün" ist. In Wäldern, Wiesen und Parks. Zecken können zwar klettern, tun dies aber in der Regel max. bis zu einer Höhe von 1.50m. Es ist also unwahrscheinlich, dass sie von den Bäumen auf uns herab fallen. Eher warten sie in einer Höhe von 30-60cm bis ein Wirt vorbei kommt, an dem sie sich festhalten können.


Mittel gegen Zecken

Jetzt hab ich euch genug von den ganzen Krabbeltieren erzählt. Mich fängt es schon beim Gedanken an zu junken :(
Daher kommen wir jetzt mal dazu, wie wir unsere Vierbeiner vor den lästigen Plagegeistern schützen können. 
Ich möchte die Anti-Zecken-Mittel in solche mit und ohne Chemie aufteilen.


Zeckenschutz OHNE Chemie

  • Bernsteinkette

Wirkung: Durch elektrische Aufladung des Fells 
Haltbarkeit: so lange bis die Kette kaputt geht, volle Wirkung erst nach 2-3 Wochen
Preis: je nach Größe des Hundes 14-35 Euro
Vorteil: sieht gut aus, keine Chemie, keine Nebenwirkungen, auch für Welpen unbedenklich, einfach im Internet oder im Laden kaufbar, wasserfest, lange Haltbarkeit
Nachteil: leider gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege, ob Bernsteinketten wirklich gegen Zecken helfen, muss dauerhaft getragen werden 

     

  • Metallanhänger

Wirkung: Soll durch die Aktivierung eines besonderen Energiefeldes den Hund schützen, Anhänger hat eine biobioenergetische Ladung
Haltbarkeit: etwa 2 Jahre
Preis: 20-30 Euro pro Tier, bei sehr großen HUnden sind 2 Clips 
Vorteil: keine Chemie, keine Nebenwirkungen, lange Haltbarkeit, wasserfest, auch für Welpen unbedenklich, im Zoogeschäft oder Internet zu kaufen
Nachteil:  keine wissenschaftlichen Belege über die Wirksamkeit


  • Knoblauchpulver

Wirkung: Geruch soll Zecken fernhalten
Haltbarkeit: tägliche Gabe 
Preis:  5-10 Euro pro Packung, Dosierung und Packungsgröße sehr verschieden
Vorteil: überall erhältlich, einfach ins Futter geben, keine Chemie, wasserfest da im Körper
Nachteil: Knoblauch ist giftig für Hunde! (die toxische Dosis für Hunde bei 5g/kg Körpergewicht ganzer Knoblauch oder 1.25 ml/kg Körpergewicht Knoblauchextrakt während 7 Tagen), auch ein Fehlen von Vergiftungserscheinungen heisst noch nicht, dass der Knoblauch keinen Schaden anrichtet. Wie alle anderen Lauchgewächse, zerstört auch Knoblauch bei Hunden die roten Blutkörperchen. Jeder Hund reagiert anders auf solche Stoffe, daher sollte man die Gefahr, auch wenn die toxische Dosis recht hoch ist, nicht unterschätzen. Es gibt zudem keinerlei verlässliche Anhaltspunkte, ob Zecken sich wirklich von Knoblauch-Hunden fernhalten. 

 

  • Schwarzkümmelöl

Wirkung: Geruch soll Zecken abschrecken
Haltbarkeittägliche Gabe
Preis: 10-20 Euro, pro Flasche,  Größen sehr verschieden
Vorteil: überall erhältlich, einfach ins Futter geben, keine Chemie, wasserfest da im Körper, soll Immunsystem stärken, kann zusätzlich ins Fell eingebürtstet werden
Nachteil: kaum verlässliche Dosierungsangaben zur Zeckenprophylaxe , keine wissenschaftlichen Studien die eine Wirkung bestätigen, muss täglich gegeben werden

 

  • Kokosöl

Wirkung: die enthaltene Laurinsäure soll Zecken abschrecken
Haltbarkeit: muss täglich gegeben werden
Preis: 5-20 Euro, je nach Größe
Vorteilüberall erhältlich, einfach ins Futter geben, keine Chemie, wasserfest da im Körper, soll Immunsystem stärken, kann zusätzlich ins Fell eingebürtstet werden, soll im Darm gegen Würmer helfen, lt. TU Berlin Wirksamkeit zwischen 81-100%
Nachteil: bei äußerlicher Anwendung max. 6 Stunden Schutz vor Zecken

 

Es gibt noch weitere nicht chemische Mittel die gegen Zecken helfen sollen. Die Liste ist schier undendlich lang. Jedoch hat meines Wissens nach lediglich das Kokosöl wenigstens eine kleine offizielle Statistik auf seiner Seite. Alle anderen Mittel und Empfehlungen beruhen auf den Erfahrungen von einzelnen Personen/Unternehmen. 


Zeckenschutz MIT Chemie

Vorweg möchte ich anmerken, dass sämtliche dieser Produkte nicht frei verkäuflich sind und daher nur über den Tierarzt oder eine Apotheke zu erwerben sind. Lasst euch dort bitte beraten, gerade wenn ihr kranke, alte oder sehr junge Hunde habt!

  • Halsband 

Wirkung: unterschiedliche Chemikalien/Pestizide
Haltbarkeit: 4 Wochen - 8 Monate, je nach Halsband
Preis: 15-30 Euro 
Vorteil: nur einmalige Anwendung notwendig, oft auch gegen andere Parasiten wirksam
Nachteil: Pestizid über lange Zeit an einer Stelle (kann zu Nebenwirkungen wie Hautirritationen führen), Chemie kann grundsätzlich direkte Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen haben, liegt der Hund auf dem Sofa/im Bett lagern sich die Pestizide unter Umständen dort ab, bei jedem Griff ans Halsband fasst man automatisch auch an das Zeckenhalsband mit den chemischen Stoffen(diese lagern sich auch beim Menschen ab), Zecken und Flöhe sind teilweise resistent gegen die verwendeten Mittel, je nach Mittel beissen die Zecken erst und sterben dann (Krankheiten werden aber oft schon beim beissen übertragen)

 (es gibt noch Spray und Pulver gegen Zecken, die Eckdaten nahezu identisch zum Halsband)

  • Spot On

Wirkung: unterschiedliche Chemikalien/Pestizide
Haltbarkeit: 4 Wochen - 6 Monate, je nach Wirkstoff
Preis: 10-30 Euro, je nach Hersteller
Vorteil: nur einmalige Anwendung notwendig, oft auch gegen andere Parasiten wirksam
Nachteil: Chemie kann grundsätzlich direkte Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen haben, Zecken und Flöhe sind teilweise resistent gegen die verwendeten Mittel, je nach Mittel beissen die Zecken erst und sterben dann (Krankheiten werden aber oft schon beim beissen übertragen), Spot on ist hoch giftig wenn es abgeschleckt wird daher sollte die Stelle ca. 36 Stunden nicht groß angefasst werden.
Bei Langzeit-Spot Ons, muss man im schlimmsten Fall damit rechnen, dass der Hund auch die Nebenwirkungen so lange hat.
Oft werden Spot Ons die man montalich geben muss, besser vertragen, da diese mit entsprechend weniger Chemie belagert sind. 

 

  • Tabletten

Wirkungunterschiedliche Chemikalien/Pestizide
Haltbarkeit: etwa 3 Monate 
Preis: 25-30 Euro, je nach Größe Hund
Vorteil: einfache und einmalige Gabe, hohe Sicherheit, keine Pestizide außem am Hund die der Hund im Haus verteilen kann
Nachteil: Zecken werden abgetötet, beissen aber dennoch. Keine Langzeitstudien über Nebenwirkungen, Chemie kann grundsätzlich direkte Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen haben


Und noch etwas, Hunde kann man impfen - leider nicht gegen alle Zecken oder Zecken Krankheiten - aber gegen Borreliose. Wenn ihr euch weitere informieren möchtet, wendet euch bitte an eines Tierarzt eures Vertrauens. Seit Kurzem ist ein neuer Impfstoff auf dem Markt, dieser deckt 3 Borrelia Erreger ab.



Und wenn es doch passiert, wie bekomme ich die Zecke dann weg?
Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten und Werkzeuge die Zecke heraus zu ziehen. Hier findet ihr eine schöne Übersicht, mit Bildern, wie man Zecken wieder los wird. Es handelt sich zwar um eine Seite bei der es um Zecken beim Menschen geht, jedoch kann man dies 1:1 übertragen auf unsere Hunde.
Auf jeden Fall solltet ihr die gezogenen Zecken gewissenhaft entsorgen! Da sie extrem widerstandsfähig sind, muss man entweder den Kopf zerdrücken oder sie verbrennen. Einfach die Klospülung betätigen reicht in den meisten Fällen nicht!

Und was ist mit den Hausmittelchen die Oma schon benutzt hat?
Egal ob Nagellack, Flüssigkleber, Alkohol oder andere "alten Zöpfe" bitte lasst die Finger von solchen Versuchen. Dabei wird immer Flüssigkeit über den Saugrüssel in den Hund abgegeben - inclusive allen Krankheiten die die Zecke in sich hat. Benutzt bitte eine der gängigen Zeckenzangen oder lasst euch von geübten Händen - wie zum Beispiel von einem Tierarzt - helfen, falls ihr die Zecken nicht selbst entfernen könnt.

Fazit: 
Irgend einen Tod muss man leider sterben. Jedes Anti-Zecken Mittel hat Vor- und Nachteile.Dabei würde ich persönlich berücksichtigen, wie oft ich in zeckenreichem Gebiet unterwegs bin und wie anfällig mein Hund auf Zecken ist. Es gibt richtige Zecken-Magneten oder Hunde mit gesundheitlichen Vorbelastungen - an dieser Stelle würde ich zu Chemie greifen. Sollte jedoch eine Unverträglichkeit gegen die chemischen Wirkstoffe vorliegen, geht ihr wenig ins Grüne mit euren Hunden oder solltet ihr das Glück haben, einen Hund zu besitzen, der von sich aus schon eher als "Zeckenschreck" fungiert, dann kann man es auch mit alternativen Mitteln versuchen. 
Was immer hilft ist die Fusselrolle - gerade bei Hunden mit nicht all zu langem Fell kann man damit gut sein Tier "abfusseln" und alle lästigen Achtbeiner einsammeln.
Sollte dennoch eine Zecke den Weg zu euren Hunden gefunden haben - keine Panik. Entfernt die Zecke und beobachtet euren Hund. Nicht jede Zecke überträgt automatisch eine oder mehrere der o.g. Krankheiten. Solltet ihr dennoch etwas feststellen, geht bitte umgehend zu einem Tierarzt und lasst euch dort beraten.
Ihr möchtet auf Nummer sicher gehen?
Dann habt ihr die Option die Zecke im Labor auf Krankheiten untersuchen zu lassen. Dafür müsst ihr die Zecke einschicken. Alle weiteren Infos zum Zecken-Test findet ihr hier

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Kathrin Schröder für ihre Hilfe bei diesem langen Post :)

In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Vierbeinern eine Krabbeltier-freie Zeit und bis zum nächsten Blog :) 

 

 © 2016 Helga Fischer - Dieser Beitrag darf verlinkt und kopiert werden sofern er unverändert bleibt und eine Verlinkung auf diese Homepage hinzugefügt wird.

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