Donnerstag, 21. Juli 2016

Rassehunde - Wie finde ich einen seriösen Züchter? Was muss ich beachten?

Liebe Kunden,

jedes Jahr lerne ich unzählige Hunden kennen. Viele von ihnen begleite ich seit dem Welpenalter. 
Fast jeder Hundehalter macht sich viele Gedanken, bevor er sich einen Hund anschafft.
Welpe oder nicht? Rassehund oder Mischling? Züchter, Tierschutzhund oder doch lieber ein Hund von privat?

Heute möchte ich mich damit beschäftigen, wie man sich für für eine Hunderasse entscheiden sollte und wie man einen seriösen und verantwortungsvollen Züchter findet.

Gerade in einer Zeit, in der der Handel mit Billigwelpen boomt und das Thema vererbte Krankheiten so präsent ist wie noch nie, ist es von großer Wichtigkeit, genau hinzuschauen.

Da ich selbst kein Züchter bin, möchte ich das Wort an dieser Stelle den Profis überlassen. Ich habe zu diesem Zweck Kontakt zu befreundeten Züchtern aufgenommen. Jeder von ihnen züchtet "seine Rasse" seit vielen Jahren. Alle sind Profis die nicht auf Profit aus sind sondern mit viel Herz und Verstand züchten. Sie verschleudern ihre Hunde nicht, sondern vermitteln sie. 

Dennoch hat jede von ihnen eigene Ideale und Vorstellungen. Ich habe allen die gleichen Fragen gestellt und werde euch in den kommenden Wochen und Monaten immer mal wieder eines dieser Interviews vorstellen.


Heute: Marion Pomreike -  Rheinfelden
Ich halte Beaucerons seit 15 Jahren. In dieser Zeit hatte ich 4 Würfe. Ich züchte selten,nur soviel,wie ich tatsächlich genug Anfragen von geeigneten späteren Beauceron Haltern habe, bzw. aus Altersgründen der vorhandenen Hunde,mir einen eigenen nachziehen möchte.
Chihuahuas ,eine der verkanntesten Hunderassen überhaupt,intressiert mich seit ein paar Jahren. 2014 erfüllte ich mir dann meinen langgehegten Traum, eine kleine aber richtig gehalten,ursprüngliche Rasse beobachten zu können. Ihr extrem loyales Rudelverhalten, ihren starken Bezug zum menschlichen Besitzer,ihre Fähigkeiten, Unwohlsein/krank/psychische Probleme sofort zu bemerken, macht den ehemaligen Jagdhund (Mäuse und Rattenjäger) zum idealen Therapiehund. Wer gerne einen Begleiter in allen Lebenslagen sucht und ihn dabei als wirklichen Hund wahrnimmt, hält und beschäftigt, wird über diesen kleinen Kerl extrem erstaunt sein und mit ihm glücklich werden.


Hallo liebe Marion, danke das ihr euch die Zeit nehmt, meine Fragen zu beantworten. 
Zunächst zum Thema: Wie suche ich mir eine Rasse aus die zu mir passt? 

Ein Züchter braucht viel Menschenkenntniss. Er sollte bereits am Telefon einen Interessenten einschätzen können,in dem er ZUHÖRT(!) Das erspart schon traurige Gesichter und weite Wege,für Interessenten die für die Welpen gar nicht in Frage kommen. Er muss Fragen stellen über das wie der Welpe leben soll und wie die Lebensumstände des Interessenten sind. Dazu zählt nicht das Bankkonto  ;)

Aber zum Beispiel wie lange er arbeitet,wie die Betreuung des Hundes geregelt sein wird etc etc. Ob alle Familienmitglieder das neue fellige Familienmitglied wirklich willkommen heissen und wie die Einstellung zur Hundehaltung im allgemeinen ist...ein breites Feld. Man sollt als Interessent mehrere Besuche beim Züchter machen, um sich näher kennenzulernen und sich gegenseitig "abklopfen" zu können. Leute die eine falsche Vorstellung von der Rasse haben,kläre ich gerne auf.Ich erkläre den ursprünglichen Verwendungszweck der Rasse,was das für unsere heutige Zeit bedeutet  und wie sie dem auch gerecht werden können und müssen,damit ein gut funktionierendes Mensch /Hund Team entstehen kann.

Rassebeschreibungen - ein Lieblingsthema von mir - ich lese die meisten Beschreibungen wie Arbeitszeugnisse. Also man muss zwischen den Zeilen lesen (sie hat sich stets bemüht, ihr wisst schon). Wie seht ihr das? Kennt ihr eine gute Plattform für „deutliche“ Rassebeschreibungen?

Die deutlichste Plattform einer Rassebeschreibung ist der Züchter und die Hunderasse für die man sich interessiert selber. Züchter seiner Wahl aufsuchen,sich über die Hunde informieren,angucken,anfassen,inhalieren.

Einen Züchter der nur schwärmt und nicht auch mal was kritisches über seine Hunde sagt,würde ich ausschliessen. Ein Züchter muss unbedingt bei einem Interessenten anklopfen,nachfragen,die Lebensumstände erfahren wollen ect.,er muss mir das Gefühl geben,das ich mich als Welpenbewerber beraten und informiert fühle.

 Wie oft kommen Leute mit falschen Vorstellungen über die Rasse zu euch? Was macht ihr mit solchen Interessenten?

Relativ oft. Leider lesen Menschen die charakterlichen Rassemerkmale oft weniger, als die Optischen. Was bleibt ist im Gespräch aufzuklären und wenn es gar nicht stimmt, zwischen Vorstellung und Rassen-Wirklichkeit, auch "nein" zum Welpeninteressenten zu sagen.

 Was für Kriterien muss ein guter Züchter euer Meinung nach erfüllen?

Ein guter Züchter FRÄGT und HÖRT ZU (!) Er alleine kann seine Welpen am besten einschätzen,kennt ihre Charaktere und kleine Eigenheiten- sind es doch vom Tag der Geburt an ,jeder für sich (auch innerhalb einer Rasse) ,kleine Individuen und Persönlichkeiten. Nur er weiss einzuschätzen ,welcher Mensch (Interessent) schlussendlich zu welchem Welpen wirklich passt! Dieses Mähr,das der "Welpe mich ausgesucht hat" ,ist leider weit verbreitet. Dabei ist aber gerade vielleicht der,der nur kurz bevor der Besuch kam,so müde,das er sein Traumzuhause verschläft,während der sehr charakterstarke Haudegen im Wurf die Schnürsenkel der Besucher so toll findet...ein guter Züchter kennt die Charaktere seiner Welpen bis spätestestens der 7. Woche ganz genau. Er berät,erklärt und überlässt die Wahl nicht alleine dem Welpenbewerber.

Gibt es Verbände, die als Gütesiegel verlässlich sind?

Ein Verband ist ein Organ,das hauptsächlich die "Spielregeln" zur Zucht für den Züchter aufstellt. Er erlässt Statuten und Regeln,an die  sich der angeschlossene Züchter halten muss. Das hat auch für den Züchter durchaus seine Richtigkeit,alle sollten darauf bedacht sein,sowohl die gesundheitlichen als auch die im Rassestandard vorgegebenen Richtlinien zu beachten.Alles andere wäre Vermehrung und keine planvolle Zucht und Erhaltung einer Hunderasse.  Kein Verband kann aber alle seine "Schäfchen" komplett duch kontrollieren. In jedem Verband gibt es gute und weniger verantwortungsvolle Züchter. Bei der Hundezucht handelt es sich um Lebewesen die man nicht mit dem Garantieschein einer Waschmaschine oder eines Autos vergleichen kann. Hier spielt bis heute vertrauen zum Züchter und ein "gutes Bauchgefühl" eine Rolle. Kein Verband und kein Papier oder Kaufvertrag kann ein gutes Verhältniss zum Züchter meines Hundes ersetzen. Garantie auf Leben gibt es nun mal nicht. Aber es gibt Freundschaften,Berater und Züchter die wirklich ein Hundeleben lang die Verantwortung für ihre Welpen mittragen.  

 

 Wie erkennt man „schwarze Schafe“ und „Wühltischwelpen“?

Wie unterscheide ich Wühltisch Welpen....Zu einem Welpen gehören immer Elterntiere! Zumindest die Mama muss vor Ort sein,gepflegt und zutraulich seinem Besitzer gegenüber sein und der Vater Rüde sollte zumindest auf Fotos vorzeigbar sein,wenn der Züchter zum decken gefahren ist.Nicht jeder hält sich einen Deckrüden selber. AUGEN AUF! In einem Haushalt bewegen sich die Elterntiere frei,man sieht hier sind sie Zuhause,überall sieht es aus wie im Kindergarten,Welpenspielzeug soweit das Auge reicht. Sichere Welpen die sich frei sich bewegen und eindeutig hier ihr Zuhause haben! Ein stolz,mit glänzenden Augen berichtender Züchter,der jeden seiner Lieblinge (auch wenn sie alle schwarz sind) auseinander halten kann . Gespräche führen! Auch ein Käufer darf Fragen stellen! MUSS sie stellen! Lasst die Kinder beim ersten Besuch daheim,( Kinder würden sofort den ersten Welpen haben wollen und das Eltenrherz ist dann nicht mehr frei von klaren Gefühlen....  macht euch eine Liste über die Fragen die  ihr beantwortet haben wollt,legt sie vor und geht sie mit dem Züchter durch! Ein Wühltisch Produzent oder Einkäufer mit Tricks will Euch schnell wieder los sein,am Besten mit dem Kaufpreis gleich auf dem Tisch.Er kann in der Regel nicht viel über den Welpen sagen,hat oft " eine überfahrene Mutter " in der Märchenkiste und der Ort der Welpen ist oft keine Wohnung/Haus sondern anonymer Parkplatz/Raststätte. Aber selbst in einem Haus werden heute gekaufte Welpen vom "Polenmarkt" als "eigen gezüchtet" angeboten. Ich denke,das Bauchgefühl und wenn man gut hinsieht,warnt einem. Meist ist es ja der niedrigere Welpenpreis der einem erst angelockt hat...hier sollte man seinen Verstand vorher einsetzen und sich fragen,WARUM ist dieser Welpe soviel billiger als bei anderen Züchtern...

Anmerkung Helga:
Wer sich weiter über das Thema Wühltischwelpen informieren sollte, findet auf folgenden Seiten noch weitere Informationen: 

Wühltischwelpen und Das Leid der Vermehrerhunde

 Was für Massnahmen ergreift ihr, damit eure Hunde eben keine überzüchteten und kranken Tiere auf die Welt bringen?

Hundezucht ist wie jede Zucht eine hohe Verantwortung einem Lebewesen gegenüber. Hundezucht ist nur zu rechtfertigen,in dem man alte Hunderassen und ihre Verwendung für uns Menschen als Kulturgut sieht,das es zu erhalten gilt. Hunde standen schon immer im "Dienste" des Menschen. Dafür hat er sie Jahrhunderte lang selektiert und sie für sich "brauchbar" gemacht. Ohne Hunde wäre der Mensch wohl nicht ein so excellenter Jäger geworden ...

Früher wurden sie rein auf "Gebrauch" selektiert. Selbst die Zwergrassen hatten eine Aufgabe,nämlich die,ihre Herrschaften das Bett anzuwärmen...Heizungen waren  unbekannt...Hundehaltung war teuer und es konnten sich nur wenige leisten. Also musstne es robuste Hunde sein,die ihren Zweck zu 100% erfüllten. Das war eine knallharte züchterische Selektion,den nur der,der all diese Kriterien erfüllte durfte am Leben bleiben...so kam es aber,das nur gesunde,kräftige,wiederstandsfähige und kluge "mitdenkende" Hunde mit ihren jeweiligen Rassemerkmalen in die Zucht kamen. Heutzutage und mit unserem Tierschutzrecht und Gedanken päppeln die Züchter auch Welpen,die es alleine nicht schaffen würden. Das ist auch meiner Meinung nach völlig legitim und gehört sich so. Schliesslich hat er auch dafür gesorgt,das sie erst entstanden sind. Aber was meiner Meinung nach unbedingt wichtig für die Rassen wäre,ist,das solche "Päppelkinder" auf keinen Fall wieder in die Zucht gelangen! In der Zucht gehören nur die stärksten,die besten und die ,mit niedrigen Inzuchtwerten. Ich persönlich bin gegen Inzucht in ihrer heutigen extremen Form. Inzucht bedeutet immer Verlust von körperlicher UND geistiger Vitalität in einer  Rasse! Ein Züchter muss ein guter Genetiker sein,seine Blutlinien kennen,über mindestens 5 Generationen seinen "Zuchtwert" beziffern können und Ahnenverluste in seinen Generationen kennen. Vererbungslehre ist das Instrument,gesunde Welpen zu erhalten und die kranken zumindest in hoher Prozentualität ausschliessen zu können. Natürlich gibt es auch hier keine Garantien,der Mensch denk,die Natur lenkt. Trotzdem kann er bei genügend Fachwissen einiges ausschliessen. 

 

 Was sagt ihr zu Leuten, die finden, dass eure Welpen zu teuer sind?

Ich wünschte mir als Jugendliche immer ein Pferd. Ein eigenes Pferd. Aber ich habe gelernt,bereits als Kind,das man auf etwas sparen muss oder im Ernstfall,auch mal verzichten muss. Wenn ich also einen Hund möchte,der aus einer guten Zucht kommt,die alles dafür getan hat,das das ein treuer,gesunder Begleiter für mindestens die nächsten 10-13 Jahre werden soll,sollte mir klar sein,das alles was "Güte" hat,auch seinen Preis hat. Und den bin ich dann auch bereit zu bezahlen,mit gutem Gewissen,einem tollen Bauchgefühl und im Idealfall mit einer neuen Freundschaft nämlich zum Züchter meines Hundes habe.Und wenn ich es noch nicht kann,spare ich....Es ist ein tolles Gefühl,wenn man es eines Tages geschafft hat, sich seinen Traum "erarbeitet" zu haben und keinem Vermehrer helfend unter die Arme gegriffen zu haben.

 

 Betreut ihr die Kunden auch nach der Vermittlung?

Meine Welpenerwerber sind keine "Kunden Es sind Freunde geworden,manche enger ,manche weitläufiger,aber immer in Kontakt stehend. Treffen uns regelmässig,telefonieren oder ich erhalte Fotos auf FB ec. Wir sind eine Familie! Schliesslich sind es meine "Kinder" die bei ihnen wohnen,auch wenn sie vor Jahren ausgezogen sind. 

 

 Hattet ihr schon mal Hunde, die aus der Vermittlung wieder zurück gekommen sind? Wie reagiert ihr auf so etwas?

Eigentlich sollte man nach gründlicher Recherche keine "Rückgaben" von Welpen haben.Aber natürlich kann auch mal ein Welpenbewerber in eine Notlage kommen oder die Situation und besonders SICH völlig falsch eingeschätzt haben.Man kann dann als Züchter nur eines tun: sofort den Welpen abholen! Bei einem guten Züchter ist eine erneute Vermittlung nach einer gewissen Zeit ,da er meist eine Liste für Welpeninteressenten führt ,kein Problem. Ist der Welpe schon ein paar Jahre alt und eine räumliche Zurückführung beim Züchter nicht möglich ( nicht jeder Züchter kann einen ausgewachsenen Hund in sein Rudel integrieren) wird aber jeder Züchter der seine Hunde liebt,alles tun und sich einbringen ,diesem Hund ein neues ,bleibendes Zuhause zu suchen! 

 

Was möchtet ihr potenziellen Rassewelpen-Käufern gerne noch mit auf den Weg geben? 

Ich kann nur an Euer Herz appellieren! Kauft da,wo ihr sicher seid,das es dort allen Hunden gut geht! Das sie geliebt und optimal betreut werden,das der Züchter mit Herz,Verstand und Fachwissen glänzt und was er tut mit Herzblut tut! Das er VERANTWORTUNG auf seiner Fahne stehen hat und ihr das auch deutlich spürt! Fragt nach vorherigen Welpenerwerbern und nach ihren Kontaktdaten.Ein guter Züchter der nichts zu verbergen hat,schliesst den Kontakt für Euch auch vor dem Erwerb eines Welpen! Fragt nach Welpenbesitzer von Geschwisterwelpen eures Welpen! Nehmt Kontakt auf,tauscht euch aus,trefft euch! Und wenn ihr eine grosse Hundefamilie seid,habt ihr alles richtig gemachtg!

 

 © 2016 Helga Fischer - Dieser Beitrag darf verlinkt und kopiert werden sofern er unverändert bleibt und eine Verlinkung auf diese Homepage hinzugefügt wird.

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